
1) Die Geschichte von Rungholt
Rungholt war spätestens ab dem späten Mittelalter eine bedeutende Hafenstadt und Handelszentrum im Herzogtum Schleswig. Rungholt wurde auf einer Torflinse gebaut, was bedeutet, das der Untergrund aus einem ehemaligen Hochmoor bestand und die Siedlung auf wackligen Füßen stand und ein späteres Absinken verursachte! Als Brennstoff diente der Abbau von Torf, was den Untergrund noch durchlässiger machte. Das Absinken verhinderte, dass das Meereswasser wieder ablaufen konnte.
Die Häuser wurden auf Warften gebaut. Hierbei handelt es sich um künstlich aufgeschüttete Hügel, auf denen die Unterkünfte aus mehreren Schichten Grassoden gebaut wurden. Auf Rungholt gab es 3 Kirchen für die ca. 2000 Einwohner, welche in mind. 54 Warften, Unterkunft fanden.
Rungholt, die Nordsee-Inseln und Städte wie z.B.: Hamburg oder Bremen wurden in der Vergangenheit schon von mehreren, schwereren Sturmfluten getroffen, so dass der Bau und Erhöhung von Deichen notwendig war. In Rungholt maßen die Deiche wohl eine Höhe von 2m und wurden immer angepasst.
Aufgrund von Bevölkerungsrückgängen z.B.: durch die Pest (ab 1347) oder Malaria-Epidemien sowie dem Eintreten der kleinen Eiszeit setzte eine Verschlechterung der Lebensbedingungen sowie Vernachlässigung des Baus und den Instandhaltungen der Deiche ein.
Die verheerendste Sturmflut aller Zeiten wütete vom 15.01. bis 17.01.1362 und hatte ihren Höhepunkt am 16.01.1362. Danach war Rungholt, wie viele anderer Siedlungen von der Landkarte getilgt. Rungholt wurde bei dieser Sturmflut von 3 Seiten "angegriffen".
- Von unten, weil der Untergrund des ursprünglichen Hochmoors unterspült wurde.
- Von oben, weil die Sturmflut von Starkregen begleitet war.
- Seitlich, weil die Wellen die Deiche durchbrachen und alles von Rungholt mit sich gerissen hatten.
Die Gezeiten spülten mit der Zeit: Überreste der Warften, Gruben, Brunnen, Zisternen, Keramiken sowie Schwerter frei. Archäologische Untersuchungen ergaben die Nachweise einer großen Kirche, Deichen, Entwässerungssystemen sowie Schleusen.
Die Legende von Rungholt: Am Vorabend der Sturmflut nötigten betrunkene Einwohner den Stadtpfarrer, einem unter Alkoholeinfluss stehendem Schwein die Sterbesakramente zu geben. In der Nacht wurde der Pfarrer vor einer verheerenden Flut gewarnt und konnte fliehen. Der Untergang von Rungholt war demnach die Strafe Gottes für die übermütigen Einwohner.
2) Die 2. Marcellusflut bzw. Große Mandränke
Sturmfluten entstehen durch eine besondere Konstellation von Sonne, Mond und Erde. Die Nordsee ist wie die meisten größeren Gewässer, Seen und Meere den Gezeiten unterworfen. Hierbei handelt es sich um die Ebbe und Flut, welche sich im Abstand von ca. 6 Stunden abwechseln. Das Gezeiten-Ereignis wird verstärkt durch einen Neumond sowie einem sehr starken Sturm-Ereignis bis hin zur Entwicklung eines Orkans.
Die verheerende Sturmflut fand vom 15.01. bis 17.01.1362 statt. Der Höhepunkt war am 16.01.1362. Die Sturmflut vernichtete ca. 100.000 Hektar an Kulturfläche und fand ca. 100.000 Menschenopfer an den Nordseeküsten, vor allem an deutschen, niederländischen Küsten. Die betroffenen Küstengebieten wurden in ihrem Verlauf für immer verändert.
Unzählige Siedlungen, Städte wie Rungholt oder Kirchspiele bzw. Pfarrbezirke wurden vernichtet. Aus zuvor größeren Inseln entstanden Halligen, welches kleinere Inselabschnitte von zuvor größeren Inseln waren, wie z.B.: die Insel Strand.
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