1872 Ostsee Sturmhochwasser

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1) Begriffserklärung


  • Das Ostsee-Sturmhochwasser ist ein "Cousin" der Nordsee-Sturmflut, unterscheidet sich jedoch fundamental von seinem "Cousin"!
  • Die Nordsee gehört zum atlantischen Ozean und ist mit diesem verbunden. Die Ostsee hingegen ist ein sogen. Binnenmeer! Der Salzgehalt der Nordsee beträgt ca. 3,5% und variiert in der Ostsee zwischen 0,3 und 1,9%. Dadurch, dass die Ostsee nur durch eine sehr schmale Enge zwischen dem Kattegat sowie des Skagerrak mit der Nordsee verbunden ist, findet praktisch kaum Austausch statt! 
  • Durch landwirtschaftliche Einträge von Phosphaten und Stickstoff entstanden in der Ostsee sogen. Todeszonen, in denen praktisch kein Leben möglich ist. Diese lebensfeindlichen Gebiete umfassen ca. 70.000 km² der rund 412.500 km² großen Ostsee und somit 16% der Binnenmeer-Fläche!
  • Die Nordsee ist Gezeiten durch einen 6stündlichen Wechsel von Ebbe und Flut unterworfen, während diese Gezeiten in der Ostsee praktisch nicht stattfinden!
  • Eine Nordsee-Sturmflut ist abhängig von der Stärke eines ausgeprägten Sturms oder Orkans, sowie den Gezeiten und dem Stand des Mondes!
  • Ein Ostsee-Sturmhochwasser hingegen kann nur durch einen ausgeprägten Sturm oder Orkan sowie dem Windstau (Badewannen-Effekt) stattfinden! 


2) Ostsee-Gebiete



a) Anrainer-Staaten


  1. Deutschland
  2. Dänemark
  3. Schweden
  4. Finnland
  5. Russland
  6. Estland
  7. Lettland
  8. Litauen
  9. Polen


b) Deutsche Ostsee-Inseln


  1. Dänholm
  2. Fehmarn
  3. Hiddensee
  4. Poel
  5. Rügen
  6. Ummanz
  7. Usedom


c) Deutsche Städte an der Ostsee


  1. Eckernförde
  2. Flensburg
  3. Greifswald
  4. Kiel
  5. Lübeck
  6. Rostock
  7. Stralsund
  8. Wismar


d) Todeszonen der Ostsee


  • Ca. 19% der Ostsee sind Gebiete mit extremen Sauerstoffmangel. Der Sauerstoffmangel entsteht durch landwirtschaftliche Einträge wie Phosphor und führt zu vermehrten Algenblüten. Die Algenzersetzung entsteht am Meeresgrund durch Bakterien, welche wiederum den Sauerstoff verbrauchen!



3) Entstehung


  • Die Ostsee-Gebiete werden mind. jährlich durch Sturmhochwasser getroffen! 
  • Meteorologisch verantwortlich ist zumeist ein sehr starkes Hochdruckgebiet über Fenno-Skandinavien in Verbindung mit einem Mittelmeer-Tief, welches mit seinen Ausläufern, erwärmte Luft aus südlichen oder südwestlichen Richtungen in die Ostsee transportiert! Ein anderer Grund ist ein durch Sturm erzeugtes Ereignis über den britischen Inseln sowie Fenno-Skandinavien, welches erwärmte Lust aus westlichen bis südwestlichen Richtungen im Schlepptau hat!
  • Durch die starken Druck- und Temperatur-Unterschiede entsteht ein ausgeprägter Sturm!
  • Ein verstärkender Effekt ist der Windstau! Wenn der ausgeprägte Sturm das Wasser der Ostsee einerseits in Richtung der Küsten drängt, entsteht andererseits auf der gegenüberliegenden Seite Niedrigwasser. Sobald der Sturm nachlässt oder sich die Windrichtung ändert, wird das aufgestaute Wasser der Ostsee extrem schnell in die gegenüberliegende Seite gedrückt! Die Meerengen des Kattegat sowie des Skagerrak können das Wasser nicht schnell genug in die Nordsee transportieren sodass das Ostsee-Sturmhochwasser entsteht!
  • Die unmittelbaren Folgen des Sturms und Windstaus sind zum Einen Hochwasser an den Küstengebieten und zum Anderen Landverlust sowie Erosionen an den Steilküsten!


4) Stürme und Orkane mit Haien, Walen und Delfinen im Gepäck



  • Wale: Lediglich eine Art ist dauerhaft in der Ostsee verwurzelt! Es ist der kleine Schweinswal! Es existieren Sichtungen von Buckelwalen, Pottwalen, Schwertwalen sowie Finnwalen seit dem Mittelalter. 
  • Haie: Verwurzelt ist keine Art in der Ostsee! Jedoch existieren Sichtungen von Dornhaien, Heringshaien sowie 16 weiteren Hai-Arten.
  • Delfine: Sie sind ebenfalls nicht in der Ostsee verwurzelt. Hierbei existieren ebenfalls Sichtungen.


  • Hintergrund für die Nicht-Sesshaftwerdung von Haien, Delfinen und vielen anderen Walarten sind die Todeszonen der Ostsee, der verminderte Salzgehalt der Ostsee, das verminderte Nahrungsangebot sowie die fehlende Durchmischung des Binnenmeeres durch die marginalen Gezeiten! 
  • Die Ostsee ist ein sogen. Binnenmeer und lediglich durch die Meerengen des Kattegat sowie des Skagerrak mit der Nordsee verbunden. Nicht sesshafte Wale sowie Haie und Delfine nutzen diese Meerengen für einen "Besuch" in der Ostsee!
  • Warum sich Wale, Haie und Delfine in die Ostsee verirren, ist noch nicht abschließend geklärt. In Betracht kommen das Folgen von Heringsschwärmen als Nahrungsangebot sowie Wetter-Kapriolen und Störungen des Erdmagnetfeldes durch starke Eruptionen der Sonne in Verbindung mit Polarlichtern. 
  • Als schwierig gestalten sich in der Regel die Rückwege durch die Meerengen, vor allem für Wale. Der Unterwasserlärm durch die Schifffahrt sowie den Unterwasserkabeln beeinträchtigt zudem die Orientierung der Wale. Die im Vergleich zur Nordsee "flache" Ostsee bietet mit ihren Sandbänken an den Küsten zudem das Risiko von Strandungen. Kranke oder geschwächte Wale haben ein großes Risiko zur Verendung.


Der Fall des Buckelwals "Timmy"


  • "Niedrige Ostsee 2026": Mitte Februar wurde berichtet, dass der Ostsee durch eine im Winter anhaltende Ostwind-Lage ca. 275 Kubikkilometer/275 Millionen Liter Wasser fehlen, welche durch die Meerenge des Kattegat in die Nordsee gedrückt worden sind. Ähnlich niedrige Wasserstände gab es zuletzt in den Jahren 1937, 1947, 1954, 1972 sowie 1980. Durchaus plausibel könnte die Vermutung sein, dass durch den Badewannen-Effekt das zurückfließende Wasser aus der Nordsee inkl. Fischschwärmen als Nahrungsangebot, der Buckelwal "Timmy" in die Ostsee "gelockt" worden ist.
  • Störungen des Erdmagnetfeldes: Vom 20.03. bis 22.03.2026 wurden durch vorangegangene Eruptionen der Sonne das Erdmagnetfeld gestört. Folge dieser Störungen sind Polarlichter. Wale haben einen herausragenden Orientierungssinn, welches sich am Erdmagnetfeld orientiert.
  • Die erste Sichtung des Buckelwals "Timmy" erfolgte am 03.03.2026 vor der Wißmarer Bucht. Ab dem 23.03.2026 strandete der Buckelwal "Timmy" insgesamt 3mal an deutschen Ostsee-Küstengebieten. Am 23.03. am Timmendorfer Strand bei Lübeck, am 29.03. an der Wißmarer Bucht und am 31.03.26 bei Poel.


5) Das Jahrhundert-Ereignis: 12.11./13.11.1872


  • Betroffen waren die Ostseegebiete von Dänemark und Deutschland! Es waren nicht nur zahlreiche Leben von Menschen, sondern auch von Tieren zu beklagen! Zudem gab es erhebliche Schäden an der Infrastruktur (Häuser, Verkehrswege, Schiffe)!
  • Ein umfangreiches und langlebiges Tiefdruckgebiet mit westlichen/südwestlichen Strömungen drückte das Wasser der Ostsee vom 01.11. bis 10.11.1872 beständig in Richtung Finnland und Baltikum! Dort herrschte Hochwasser!
  • Gleichzeitig wurde das Wasser der Nordsee durch die Meerenge des Kattegat in die Ostsee getrieben! 
  • An den dänischen und deutschen Küstengebieten entstand - trotz des einfliessenden Nordseewassers aus dem Kattegat - ein extremes Niedrigwasser mit einem Wasserspiegel von 1m unter Normalnull!
  • Im Laufe des 10.11.1872 herrschte Windstille und am 11.11.1872 entwickelte sich ein Orkan mit Nordostwinden, der das angestaute Wasser zurücktrieb! Das Wasser konnte zudem nicht schnell genug über das Kattegat in die Nordsee zurückfliessen!
  • Die Folgen waren hohe Wellen von über 5,50m Höhe mit historisch hohen Hochwassermarken!



StädteHochwasser-Höchststand
Travemünde3,30m
Flensburg3,27m
Kiel3,17m
Usedom2,0m
Rügen2,0m




6) Schwere Ostsee-Sturmhochwasser der Vergangenheit


  1. 01.11.1304
  2. 03.12.1374
  3. 10.02.1625
  4. 31.12.1904
  5. 31.12.1913
  6. 04.01.1954
  7. 12.01.1987
  8. 03.11.1995
  9. 21.02.2002
  10. 01.11.2006
  11. 02.01.2019
  12. 20.10.2023


7) Undatierte schwere Ostsee-Sturmhochwasser der Vergangenheit


  1. 1320
  2. 1449
  3. 1625
  4. 1694
  5. 1741
  6. 1784
  7. 1796
  8. 1825


8) Die Ostsee als Kriegsschauplatz I



Speziell der 2. Weltkrieg (1939-1945) hatte in der Ostsee verheerende Hinterlassenschaften, welche auf dem Meeresgrund lagern und tickende Zeitbomben darstellen! Desweiteren befinden sich viele weitere tausende Schiffe aus mittelalterlicher, frühneuzeitlichen sowie modernen Zeit auf dem Meeresgrund!



300.000 TonnenMunition (Bomben, Granaten, Minen oder Torperdos)
5.000 TonnenChemische Kampfstoffe
1.000-10.000 SchiffeU.a. Wilhelm Gustloff, Steuben & Goya



9) Die Ostsee als Kriegsschauplatz II



1362-13641. Hansekrieg
1367-13702. Hansekrieg
1434-1436Engelbrekt-Aufstand
1454-146613jähriger Krieg
1470-1471Dänisch-Schwedischer Krieg
1483-1497Dänisch-Schwedischer Krieg
1495-1497Russisch-Schwedischer Krieg
1509-1512Dänisch-Hanseatischer Krieg
1520-1523Schwedischer Befreiungskrieg
1534-1535Grafenfehde
1554-1557Russisch-Schwedischer Krieg
1558-1583Livländischer Krieg
1563-15707jähriger nordischer Krieg
1590-1595Russisch-Schwedischer Krieg
1600-1629Polnisch-Schwedischer Krieg
1610-1617Ingermanländischer Krieg
1611-1613Kalmarkrieg
1618-164830jähriger Krieg
1643-1645Torstensson-Krieg
1654-1657Russisch-Polnischer Krieg
1655-1661Nordischer Krieg
1656-1658Russisch-Schwedischer Krieg
1674-1679Nordischer Krieg
1700-1721Großer nordischer Krieg
1756-17637jähriger Krieg
1788-1790Russisch-Schwedischer Krieg
1814Schwedisch-Norwegischer Krieg
1914-19181. Weltkrieg
1939-19452. Weltkrieg